Der Dienstmann grinste und machte einen Kratzfuß. »Ich danken auch, Herr Doktor.« —
Eine Stunde später trat Otten in die »Ewige Lampe« ein. An einem Tischchen entdeckte er die behäbige Gestalt des einstigen Schulfreundes, der ihm fröhlich entgegenwinkte.
»Das war schön von dir, Joseph, daß du mir keinen Korb gegeben hast. Nimm Platz. Einstweilen ein Glas von diesem?«
»Du bedankst dich wohl noch, daß ich euch einen Korb gegeben habe?« Otten gab dem Kellner Hut und Mantel und rückte seinen Stuhl an den Tisch.
»In der Tat, Joseph, das tue ich auch.«
»Sonderbarer Gastgeber.«
»Ich sag’ dir, Joseph, heute mittag, als dein Brief kam! Wir saßen gerade bei Tisch. Ich las und gab die Karte meiner Frau. ›Aha, der große Künstler,‹ sagte sie. ›Schreibt ab,‹ sagte ich. Sie wurde ganz blaß vor Ärger. ›Dieser große Herr. Allüren hat der Mensch! Bedauert, nicht Folge leisten zu können. Schluß. Als ob er an dem Abend gerade beim Gouverneur oder beim Herrn Erzbischof speiste.‹ — ›Wird er auch wohl, Amely.‹ — ›Albernheiten ...‹ — ›Du siehst, Amely, der Mann hat nicht nötig, auf uns zu warten.‹ — ›Das scheint dich wohl noch zu freuen? Manieren habt ihr Rheinländer!‹«
Der Fabrikant trank einen Schluck. »Wahrhaftig, Joseph, darin hatte sie recht. Und es schien nicht nur mich zu freuen, es freute mich sogar ganz gewaltig. Ich hatte sogar eine diabolische Schadenfreude.«
»Ein sehr beliebter Gast schein’ ich demnach nicht bei dir zu sein.«
»Mehr als das, viel mehr. Nur — du weißt ja, ich hab’ immer eine geheime Liebe zu dir gehabt, aber du standst mir geistig immer etwas zu hoch, als daß ich mich getraute. Und als du nun vor einigen Tagen bei mir hereinschneitest und warst so ein prächtiger, frischer Kerl, da sagte ich mir: Den Freund behältst du. Den gibst du nicht für den Hofstaat ab. Etwas muß der Mensch haben, woran er sein Herz hängt. Prost, Joseph.«