Am Nachmittage wurde musiziert. Otten sang ein paar Balladen und einige Volkslieder, und er ließ sich von seiner Kunst weiter und weiter reißen. »Jetzt werde ich die Strophen einmal rezitieren. Gib acht, ob ich der Komposition auch nur einmal gestattet habe, den Geist der Gedichte zu Gunsten einer musikalischen Phrase zu vergewaltigen. Man singt nicht Töne, man singt ein gedichtetes Lied!« Und er sprach die Verse, daß sie ihr Innerstes offenbarten. Frau Maria saß wie im Banne.

»Hat sie eigentlich auch Geist?«

»Wer, Joseph?«

»Ach, ich kam gerade darauf. Ihr habt euch doch lange unterhalten. Lassen wir sie in Frieden.«

Wie ein farbenprangender Sonnenuntergang war der Abend. Und als die Nacht kam, zitterte es durch den Raum, in dem die drei Menschen beieinander saßen, wie eine selige, fern verhallende Liedstrophe ...

»Gute Nacht, Carmen. Gute Nacht, Töchterlein.«

Dann gingen auch Joseph Otten und Frau Maria zur Ruhe.

»Du — Maria!«

»Joseph?«

»Trotzdem! Ein Alltagswesen ist sie nicht. Sie hat was von der Sphinx. Verführerisch und grausam. Arme Opfer — —.«