Als sich der Rosenmontagszug heranwälzte, hob Otten mit elegantem Schwung das junge Mädchen auf den Tisch und hielt den Arm um ihre Taille. Und sie legte schmeichelnd die Hand auf sein Haar und dachte: »Jetzt werden die Leute glauben, es ist mein Bräutigam.« Das machte sie stolz und gab ihrem feinen Gesicht einen herablassenden Zug. Moritz Lachner wandte kein Auge von ihr. Der Rosenmontagszug hatte ihm nichts mehr mitzuteilen.
»Du, Vater, schau hier!«
»Der schöne Landsknechtsfähnrich?«
»Ach, das ist ja unser Bierhändler. Nein, der rote Teufel da, der immer in die Luft federt. Siehst du ihn? Erkennst du ihn nicht? Jetzt hat er uns entdeckt. Hurra!« Und sie schwenkte die Hand wie eine Fahne.
»Das ist Laurenz Terbroich,« sagte Moritz Lachner.
»Ich mag ihn nicht gern, Carmen,« meinte Otten. »Sein Teufel hat mir zu viel Mache, gerade wie der Mensch.«
»Aber es ist doch Karneval, Vater. Laß ihn doch zu uns.«
»Na, Kind, wenn ich deinen Freund nur an Karnevalstagen zu Gesicht bekomme, soll es mir recht sein. Er ist windig und frech. Heut soll er Maskenfreiheit genießen. Den Deubel zum Gruß, Herr Terbroich.«
»Den Deubel auch, Herr Doktor!« In grotesken Sätzen war der Rotseidene durchs Lokal gesprungen und machte Miene, sich des lachenden Mädchens zu bemächtigen. »Sonst wünschen Sie nichts?« rief Otten und fing den Teufel auf.
»Meine Großmutter läßt Sie grüßen, Herr Doktor. Und Sie möchten ihr doch auch mal die Ehre geben.«