Moritz Lachner kam die Treppe herauf. Er trug ein schwarzes Bündel unterm Arm wie ein Schneider. Carmen zog ihn ins Zimmer und begann eilfertig, den Knoten des Bündels aufzulösen. Zwei schwarze Dominos und ein feiner rotseidener fielen heraus. »Der ist für mich,« jubelte das Mädchen. »Daß du auch an die Farbe gedacht hast, Moritz.«
»Das Rot wird gut zu deinem schwarzen Haar stehen, Carmen.«
»Nein, dieselben Kostüme haben wir jetzt, der Laurenz und ich. Das ist famos!«
Daran hatte Moritz Lachner nicht gedacht. Schweigend half er ihr in den eleganten Umhang, der ihr bis zu den Füßen reichte und ihre Figur groß und schlank erscheinen ließ. Und schweigend band er ihr das Seidenläppchen vor die Augen. Sie stand vor dem Spiegel und bestaunte sich. Ein tiefer Atemzug ließ die Seide über ihrer Brust zittern.
Frau Maria winkte den jungen Mann zu sich. »Moritz, Ihnen vertrau’ ich sie an. Ich will dem Kind die Freude nicht stören. Aber ich lasse sie nur mitgehen, weil Sie dabei sind.« Sie reichte ihm die Hand.
»Ich werde mich nicht von ihrer Seite drängen lassen, Frau Doktor.« Er hob den Kopf. Vor dieser Frau wurde ihm frank und frei. Und sie nickte ihm zu wie eine gute Mutter.
Carmen war ins Nebenzimmer zu ihrem Freunde Laurenz geschlüpft. Die Hände auf dem Rücken stand sie vor ihm und wiegte sich auf den Fußspitzen.
»Donnerwetter, Carmen —!«
»Wie gefall’ ich dir?«
»Ich sagte es ja schon.«