»Nein, hohe Frau. Denn wenn ihr euch ergebt, beginnt für den wahren Ritter des Turniers zweiter Teil. Durch seinen Adel die Ergebene in eine Schenkende zu wandeln. Aus Winterhaft den schüchtern knospenden Frühling zu locken, den Frühling zur Sommersonnenglut zu steigern und den Sommer zur süßen Reife des Herbstes. Nur die Entwicklung macht glücklich und hält uns voll spannenden Lebens. Ein Geschenk? Morgen ist es alt.«

Sie promenierten durch die Reihen der Paare, die Zufall, Wissen oder lustige Intrige zusammengeführt hatte.

»Sei ehrlich, Domino. Du sagst es selbst: der Wechsel macht glücklich. Das Suchen und Sichsteigern. Und ihr laßt euch an der Oberfläche genügen. Wir aber —«

»Ihr trinkt das Blut.«

»Wir trinken das Blut.« —

Sie saßen an einem Tischchen, und Otten füllte zwei Champagnergläser. Sie sah ihm auf die Hand. »Habe ich dich erschreckt?«

»Du führst sonderbare Gedanken in deinem Köpfchen spazieren. Laß mich in dein Herz sehen. Ich sehe nur die weiße Haut.«

»Sie spricht mehr als das Glaubensbekenntnis, das wir im Munde führen. Unter Rassemenschen. Aber wo sind sie?«

»Der eine trinkt dem andern zu, wenn es auch kein Blut ist.«

Sie hob ihr Glas und trank unter der Seidenlarve. »Kein Blut — —! Das Wort hat dich also doch erschreckt. Oder dich stutzig gemacht. Weshalb, wenn wir beide uns zur selben Rasse bekennen? Wenn ich diese Schale Wein liebe, so trinke ich sie aus. Bis auf den letzten Tropfen. Sieh her. Und wenn ich einen Menschen liebe, soll ich nur nippen? Auf morgen die Schale Wein zurückstellen und auf übermorgen? Damit der Wein sauer wird oder ein anderer ihn mir wegtrinkt? Belügen wir uns doch nicht mit schönen Worten. Menschen wie wir lieben nicht das erstbeste. Wir lieben im anderen etwas, was wir nicht besitzen, was wir haben möchten. Und wenn wir schenken, wissen wir, daß wir tauschen und daß uns im Tausch ein Gewinn bleibt. Das Blut des anderen macht uns stärker, sein bestes, sein tiefstes. In diesem Sinne trinken wir Blut, — wenn wir lieben.«