»Und du, stolzer Domino, sprichst nur immer von ihm und zeigst ihn nicht. Das ist Männerart, und bei dir — verzeihe — kompliziert durch den Sänger.«

»Du — weißt, wer ich — bin?« fragte Otten langsam.

»Mir scheint,« sagte die bergische Herzogin und lehnte sich weit im Stuhl zurück, »ich weiß es besser als du selbst. Soll ich es dir offenbaren? Wenn du als Frau auf die Welt gekommen wärest, wärest du ich. Da du aber als Mann auf die Welt gekommen bist —«

Auch Otten hatte sich weit im Stuhl zurückgelehnt, »— so habe ich das Goethische Wort nicht vergessen. ›Die Frauen sind silberne Schalen, in die wir goldene Äpfel legen.‹ Laß mir diesen Glauben, holde Unbekannte. Du gewinnst dabei.«

Sie hob den Kopf. Als ob sie lauschte. Dann stand sie mit nachlässiger Gebärde auf. »Ich finde diese Rede voll Verstand. Aber es ist Karneval, und ich möchte des Lebens Unverstand genießen. Gehen wir.«

»Zürnt mir die unbekannte Herzogin der Frauen?«

»Sie zürnt nicht. Sie findet es nur langweilig.«

»Das ist ein Todesurteil. Und da ich nun doch in Euren Augen sterben muß, möchte ich die Stunde genießen.«

»Frauen haben keine Logik. Aber Männer noch minder. Küsse mich also nicht. Du gewinnst dabei.«

»Ah — kehrst du die Waffen um? Man kann auch küssen, um zu verletzen.«