Joseph Otten nahm sein Glas, und lächelnd hob er es auf. »Gilt es so?«
Er trank, und sie legte ihm die Hand auf den Arm. »Gilt es nicht?« fragte er.
Sie nickte nur, nahm ihm das Glas aus der Hand und trank es leer. Und schweigend gab sie es ihm zurück. Wenige Sekunden hielt er ihre Finger in seiner Hand. »Das war ja ein Brüderschaftstrinken — —?«
Mit dem Abendzug langten die Gäste an. Ein halbes Dutzend Herren der Kölner Fabrikantenkreise. Aus der Haft der Kontore entflohen, brachten sie eine Laune mit, daß die Halle von ihren gewaltigen Stimmen erdröhnte.
»Ein Abend, nur unter uns Mädchen!« rief Terbroich und kniff die Augen. »Wir nehmen dem Joseph die Beichte ab, zu Nutz und Frommen.«
Frau Amely blieb nur zu Tisch. Spöttisch gingen ihre Blicke in der Runde. Otten saß neben ihr. »Was belustigt Sie?«
»Daß man Ihnen die Beichte abnehmen will, lieber Freund. Ich stellte mir vor, Sie stünden auf und redeten diesen lüsternen Männlein frisch von der Leber von Ihrem großen, freien Leben. Tun Sie es nicht. Sie bliesen in sieben Gehirnlein wie in leere Eierschalen. Aber wenn Sie sie anlügen, in der Art, als ob Sie im Grunde genau wie jene wären und verstellten sich zuzeiten nur aus Abenteuerlust — o, man wird in Ihnen einen Gott sehen und Sie als Kölner feiern.«
»Die Tafel ist zu Ende. Gehen Sie jetzt auf Ihr Zimmer, gnädige Frau. Oder ich bin zum Erzählen — zu eitel.«
Sie wandte den Kopf nach ihm und sah ihn fest an. Dann hob sie die Tafel auf.
Lüttgen verschwand sofort in der Küche, um die Spitzen der Maikräuter selbst in die Bowle zu tauchen. Die Herren drängten auf die Veranda und setzten die Zigarren in Brand. Otten gab der Hausfrau das Geleit bis zur Treppe.