»Trank denn auch deine Großmutter schon?« fragte Frau Amely gelassen.

»Entschuldigung. Das war nur so eine Sentenz.«

Otten nahm ein Glas Tee. »Man kann doch nur gebissen werden, wenn man wirklich getrunken hat. Aber das war doch nur ein verschämtes Nippen diese Nacht.«

»Dann bekommt das Verschämte eben meiner Natur nicht.«

»Umgekehrt. Deine Natur ist so zart besaitet, daß sie gegen die geringste Verletzung der Ästhetik demonstriert.«

»Gott, meine zarte Natur!« klagte Lüttgen und schlug sich auf die breite Brust.

Frau Amely blickte unter niederfallenden Augenwimpern prüfend von einem zum anderen. »Ich schlage einen Kompromiß vor,« meinte sie und dehnte sich. »Wir nehmen das Segelboot, kreuzen auf dem Rhein bis Nonnenwert, landen später in Königswinter und steigen zum Drachenfels hinauf. Wer frische Luft braucht, kommt auf seine Kosten, und wer alte Träume und Rheinmärchen zu jungem Leben erwecken will, dürfte auch nicht zu kurz kommen. Ich bitte um Abstimmung.«

»Mit Freuden angenommen,« rief Otten, und sie nickte ihm zu.

»Die Kreuzfahrt auf dem Rhein unterschreibe ich unbesehen,« gestand der Hausherr zu, »auch das Landen in Königswinter. Aber der Aufstieg —? Man könnte auch reiten oder fahren.«

»Romantiker,« lachte Otten.