Sie ging in ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen durch das Zimmer. Ihre Augen hatten den Hausfrauenblick zurückgewonnen, und ihre Hände suchten Beschäftigung, rückten an den blumengefüllten Kristallvasen, dem schönen Tafelporzellan, und ruhten nicht, bis eine neue Harmonie die festliche Anordnung schmückte. Von der Balkendecke herab streckte der massive Leuchter sechs lampenbewehrte Arme ins Zimmer. Alle Lichter brannten. Der ganze Raum war voll Erwartung.

Als die Frau den Blick hob, ging ein Lächeln über ihr Gesicht. An der Wand hing ein Bild, das Bild eines Mannes in Havelock und Schlapphut. Aus lachenden Augen schaute er in die Welt.

Sie trat näher heran. Sie betrachtete es, als wäre es ihr ein Neues.

»Man kann das Bild nicht ansehen, ohne froh zu werden ...«

»Liebster — —«

Dann wandte sie sich zum Tisch zurück, hob die Arme und drehte die Gashähnchen der Lampen ab. Bei der letzten zögerte sie, und der Arm blieb gereckt. Leise knisterte an ihrem Leib die Seide.

»Vielleicht kommt er doch noch. Dann soll es wenigstens nicht ganz dunkel sein in seinem Haus.«

Und noch einen Blick über die Tafel werfend, ging sie mit ihrem ruhigen Schritt ins Nebenzimmer, setzte sich an ihr Arbeitstischchen und nahm ein Kinderkleidchen in den Schoß, das der Ausbesserung bedurfte.

Acht schlug es von den Türmen, und dumpf und hell befleißigten sich die Uhren in der Wohnung, nicht hinter den beamteten Kameraden zurückzubleiben.

»Jetzt hat er die ersten Lieder gesungen,« sagte die Frau und ließ die Arbeit sinken. »Nun wird er gefeiert ...« — »Gott im Himmel,« unterbrach sie sich, »acht Uhr! Und Carmen ist noch nicht im Hause. Wie konnt’ ich nur über den Vater das Kind vergessen.«