Das Wetter war paradiesisch. Die warmen Tage und Nächte hatten die versteckteste Blüte hervorgelockt, und die Ufer links und rechts standen im weißen Flor der Obstbäume. Die drei im Boot hatten kein Auge dafür. Hin und wieder schlug ein Wort an und verhallte. Dann ließ auch Lüttgen die Unterhaltung fallen.

Sie speisten am Rhein, und der Wein machte sie lebendiger. Aber die Unterhaltung schwebte nur zwischen Otten und Frau Amely, und sie gaben sie nicht aus der Hand. Und auf der Heimfahrt wurde es nicht anders.

Lüttgen suchte sofort sein Zimmer auf, um sich umzuziehen und sich vor Erkältung zu schützen. »Ihr werdet wohl zehn Minuten ohne mich auskommen können.«

Otten und Frau Amely saßen auf der Terrasse und vermieden es, sich anzusehen.

»Das alles war häßlich,« sagte endlich der Mann.

Sie wandte ihm langsam den Kopf zu. »Und in dieser Häßlichkeit lebe ich jahraus, jahrein. Du empfindest sie schon nach wenigen Tagen.«

»Er kann nichts dafür. Es ist seine Natur, die ihm im Wege steht.«

»Und die meine? Soll sie daran stumpf und dumpf zu Grunde gehen? Wenn einer in den Hintergrund treten muß, so soll es doch in aller Welt nicht der wertvollere Mensch sein, der es muß.«

»Bist du so sicher —«

»Daß nicht er der wertvollere Mensch ist? Ja! Dessen bin ich sicher. Und wenn du es noch nicht erfahren hast, so liegt das daran, daß seine alltägliche, niederziehende Art schon allzusehr auf mich gewirkt hat. Joseph! Weshalb bist du nicht früher gekommen! Damals, als der Unterschied noch viel klarer zu Tage trat als heute. Wo es für dich ein einziges gewesen wäre: Sehen und Erkennen. Wo du mich einfach auf die Arme genommen hättest, um mich aus all den Erniedrigungen, die ich von dem Mann, dem seine Natur im Wege steht, erdulden muß, herauszuheben. Soll ich mit ihm trinken? Soll ich mit ihm Witze machen? Soll ich mich an seinen Hals hängen, wenn er plump und zärtlich wird? Soll ich das — auch jetzt noch?«