Wo er ging und stand, glaubte er den Triumph der Frau zu empfinden: »Jetzt nehm’ ich dir auch den Freund, jetzt nehm’ ich dir auch den Freund. Wer ist nun der Reichere von uns beiden, du Bettelmann?«

Seine Gedanken jagten hin und her. Nur nicht die letzte Planke verlieren!

Und er sah sie am Rhein. Hand in Hand standen sie und lachten sich an, als gäb’s auf der Welt nichts außer ihnen. Der Atem kroch ihm zurück. Die Brust schmerzte ihn. Er wollte seine Stimme hören und konnte nicht. Und plötzlich wachte es in ihm auf, das Bild, das er gesucht hatte. Seine Brust hob sich hoch, und es kamen Laute über seine Lippen, die er nur selbst verstand. »Ich hab’s — ich hab’s. Ich muß ihn ihr nehmen, glatt — weg — nehmen. Mitten aus ihrem Triumph heraus — weg! Weil du ihn mir genommen hast — dafür — nehm’ ich ihn — dir! Nicht seinetwegen. Deinetwegen!«

Mit einer langsamen Gebärde fuhr er sich über die Augen. Die bunten Lichter tanzten nicht mehr. Er sah den klaren Tag. Und er wandte sich ab und ging ruhigen Schrittes dem Landhaus zu und riegelte sich in seinem Zimmer ein.

»Es ist lange her,« sagte er sich, »daß ich das Schießzeug nicht mehr in der Hand gehabt habe,« und er betrachtete den polierten Lauf. »Seit meiner letzten Übung bei den Deutzer Kürassieren nicht mehr. Und das ist bald schon nicht mehr wahr. Ruhe, mein Junge. Es wird nicht darauf ankommen, daß einer fällt, sondern — daß er fällt. Das Gottesurteil bin ich! Vergiß das nicht. Nur so hat es Sinn. Hat die Affäre so lange gedauert, kann sie noch ein paar Tage länger dauern. Damit ich mich einüben kann und — treffen. Nicht dich, Jupp. Sie — —!«

Wenn das Segelboot auf dem Rhein schwamm, ging er in den Park, stellte die Scheibe auf und maß die Schritte ab. Die schwerfällige Hand zitterte, als er sie zuerst erhob. Die Kugeln saßen in der Baumrinde. Aber zähe blieb er beim Werk. Und als die erste Kugel im Scheibenrand saß, glitt ein Lächeln über sein rotes Gesicht ...

Nun irrten die Kugeln nicht mehr ab. Er hatte ja Tage für sich. Es störte ihn keiner, und keiner fragte nach ihm. Und es kam die Stunde, wo Kugel auf Kugel das Zentrum durchbohrte. Das war der glückseligste Augenblick seines Lebens.

Der Segelwind war abgeflaut. Das Boot kroch langsam heran. Den Insassen war es lieb, noch nicht landen zu müssen, allabendlich schoben sie die Landung hinaus.

»Du darfst noch nicht fort,« sagte Frau Amely und legte den Kopf an Ottens Brust. »Du bist jetzt nur an mich gebunden.«

»Sei vernünftig, Amely. Wir dürfen nicht wie Chacun und Chacune denken. Das ist ja so billig.«