»Ich meine, et Carmche is augenblicks lebendiger als sing Mutter.«

»Wissen Sie das bestimmt?« Sie legte dem Alten die Hand auf die Schulter, und der Alte spürte durch das gestrickte Kamisol, wie diese lange, schlanke Frauenhand zitterte.

»No, no, no,« beschwichtigte er und erhob sich so schnell, wie es ihm die müden Füße erlaubten. »Wat sinn denn dat för Sache? Jung’ Frau, jung’ Frau! Dat wor doch früher uns’ Art nit? Nerve! Setzen Se sich ens en der Sessel. Su, ganz gemötlich — —«

Sie ließ es sich gefallen, daß er sie in den Sessel drückte. In ihrem weißen Kleide saß sie und bot ein seltsames Bild zu der schlichten Umgebung.

»Nun sagen Sie, wo Sie Carmen gesehen haben.«

»Se is mit Terbroichs Laurenz op der Heumarkt gelaufe. Auch möglich, zum Gürzenich. Un weil ich den vörwetzige Rotzjung, den Terbroichs Laurenz, nit leide mag, hann ich den Lachners Moritz hingerhärgeschickt. Dä paßt op.« Und mit väterlicher Fürsorge fuhr er fort: »Sie dürfe sich beruhige, Frau Otten. Et passiert nix.«

»Ich schäm’ mich,« sagte sie plötzlich. »Ich darf doch nicht die Ruhe verlieren.«

Der Alte sah sie respektvoll an.

»Un do meint manch eine, dat wör alle Dag Zuckerlecke, Danze un Kirmeß.«

»Es ist viel mehr, Klaus.«