Die Gäste saßen bei Tisch in der Halle. Man hatte an der Veranda die Leinenjalousien herabgelassen, um sich vor der Flut des Sonnenlichtes zu schützen. Nun herrschte eine zitternde Dämmerung. Die Sektbecher waren den Rheinweinrömern gewichen, die Rheinweinrömer aufs neue den Sektschalen. Die Herren hatten Blumen ins Frackknopfloch gesteckt, wurden ausgelassen und tranken der Frau des Hauses zu, die in herabfallendem Kleide, die zarten Schultern entblößt, träumerisch neben Otten saß.
»Vergiß mich niemals,« sagte sie leise. Und Otten drückte in stummem Einverständnis ihre Hand.
Lüttgen trank hastig. Sein Gesicht hatte eine dunklere Röte als sonst, und er war so gesprächig, daß es auffiel.
»Kein Wunder!« rief Terbroich. »Der Mann kann es sich leisten. Stößt auf einen Schlag seinen ganzen alten Vorrat ab.«
»Jetzt muß es sein,« sagte sich Lüttgen und erhob sich. Der Diener, der die Obstschalen in Bewegung gesetzt hatte, verschwand. Sein Herr hatte ihm kurz zugenickt.
»Eine Festrede? Ruhig allerseits! Der Hausherr hat das Wort.«
»Ja — eine Festrede,« sagte Lüttgen, spielte mit seinem Glas und reckte den schweren Körper. Nun hatte er sich in der Gewalt. Seine Augen sahen ruhig von einem zum andern. »Eine Festrede. Und in der Tat, so absonderlich es auch erscheinen mag: der Hausherr hat das Wort. Unser geschäftskundiger Terbroich pries mich eben glücklich, daß ich auf einen Schlag meinen ganzen alten Vorrat abgestoßen hätte. Aber er irrt sich. Das Lager ist noch nicht geräumt.«
Er nahm sein Glas und trank es aus. Keine Zwischenbemerkung fiel.
»Na, und heute möchte ich es gänzlich räumen. Es ist Bruchware, aber auch dafür finden sich ja Liebhaber. Damit sie mir einerseits nicht gestohlen wird und ich anderseits nicht in Versuchung komme, jemanden damit übers Ohr zu hauen — denn beides ist gleich beschämend für einen soliden Geschäftsmann — gebe ich sie gratis her. Wer will?«
Das war keine Festrede. Und der Mann, der jetzt mit drohenden Augen über den Tisch hinsah, kein lustiger Tafelredner. Ein beklommenes Schweigen lief um die Tafel.