Als er in Rom einfuhr, straffte sich seine Gestalt. Es war um die Osterzeit, und um nicht in eines der überfüllten Hotels gepfercht zu werden, rief er einen Kutscher an und ließ sich in ein Privatlogis fahren, Via Frattina, nahe der Spanischen Treppe. Mit heißen Blicken nahm er die Bilder in sich auf. Rom blieb immer Rom. Auf ihn kam’s an.

Am Abend feierte er das Wiedersehen mit Heinrich Koch. Er fand ihn bei Peppe an der Fontana Trevi. Der feine Gelehrtenkopf hob sich überrascht bei seinem Eintritt, die Augen leuchteten hinter den Brillengläsern auf. »Alle vierzehn Nothelfer: der Joseph — —!«

»Guten Abend, Heinrich. Ich bin wieder im Land.«

»Den ganzen Tag über hatte ich so ein sonderbares Gefühl. Die Katze meiner Hausfrau putzte und striegelte sich, und die Signora sagte: ›Es kommt Besuch‹. Katzen und Weiber haben die feinste Witterung. Joseph — Joseph — wie ich mich freue.«

Er zog ein Glas von der Mitte der Tischplatte heran, schwenkte es mit ein paar Tropfen Wein um und goß es bis zum Rande voll. »Es gilt dein Wohl. Trink und sei willkommen.«

»Und dein Wohl, Heinrich .... Wie das schmeckt.«

»Laß dich ansehen. Ein verwunderlicher Mensch, der nicht mehr weiß, wie der Genzano mundet. Bist du mit Odysseus im Reich der Schatten gewesen? Wo nur blutgefüllte Schalen die armen Teufel laben? Probier noch einmal.«

»Du hast es, ohne zu wollen, getroffen, Heinrich. Ich komme aus dem Reich der Schatten und strebe in die Sonne zurück.«

»Du hast dir einen ernsten Stimmklang zugelegt. Und du warst zwei Jahre verschollen.«

»Glaubst du, daß man zwei Jahre nicht wiedergewinnen kann?«