»Ich leider den Ihren bisher nicht. Ich war ein paar Jahre in der Wüste.«
»Gibt es wirklich eine Wüste, in der man meinen Namen nicht kennt?« lachte der junge Sänger. Und das geschärfte Ohr Ottens hörte aus dem gewollten Humor die Eitelkeit heraus.
»Man kannte kaum noch den meinen,« replizierte er scherzend.
»Ja, nun sind auch wir an der Reihe! Die Schmachtlapperei des Lieder- und Balladensingsangs hat ein Ende. Nur auf dem Theater steht man seinen Sängersmann, vorausgesetzt, daß man modern genug ist, den Zug der Zeit zu empfinden.«
»Jede Zeit hat ihren Zug, Verehrter, also ist auch jede Zeit modern. Das Wort hat keinen Bestand.«
»Na, das ist gut! Schauen Sie sich unsere modernen Komponisten an, und wie sie sind wir modernen Sänger. Wir sind keine fahrenden Bohémiens mehr, wir sind Weltleute erster Ordnung. Und aus diesem Geist heraus produzieren wir.«
»Ob die Poesie ihre Zelte gerade unter den Weltleuten erster Ordnung aufgeschlagen hat? Meine Herren, ich rufe Sie zu Zeugen auf. Wir holten sie oft genug aus Trastevere.«
»Degradieren Sie uns nicht, Doktor, vor dem Maëstro.«
Der Junge war der Maëstro, er war der Doktor Otten. Nichts ist dauernd als der Wechsel. Er lächelte vor sich hin.
»Kurzum,« rief der Junge, »wir haben das Heft in der Hand, und wir gedenken es zu brauchen. Die Saat ist reif, der Schnitter naht! Die Jugend hat das Wort.«