»Doktor, vergessen Sie nicht, daß Sie auch einmal jung waren!«
»Auch einmal ... Nein, das vergesse ich nicht. Aber die Jungen vergessen, daß sie auch einmal alt werden.«
»Was heißt das?«
»Die Jugend wird eines Tages — das Alter sein. Und hinter ihr wird eine neue drängen und schieben und die Tempel zusammenschlagen. Und sie wird mit verständnislosen Augen zuschauen müssen. Müssen! Meine Herren, alle ehrlichen Künstler, alle ehrlichen Menschen sollten die Grenzscheide zwischen jung und alt darum lieber verwischen, als sie zu verstärken. Die glatte oder die runzlige Haut? Im alten Kanonenöfchen brennt das Feuer oft am heitersten.«
»Sie verderben die Stimmung, Doktor. Lustig sein, fröhlich sein!«
»Ich bin sehr aufgeräumt.«
Als sie gegen Abend aufbrachen, benutzte Otten seinen Einspänner. Der große Landauer hatte keinen Platz mehr für ihn. Sechs saßen im Wagen, ausgelassen wie Kinder, der siebente kletterte zum Kutscher auf den Bock. Als er in sein Wägelchen stieg, zwang ihn etwas, einen Blick zur Seite zu werfen. Eine Equipage war vorgefahren. Ein hochgewachsener Herr mit breitem Vollbart, ein bekannter Bildhauer, stieg aus und ging grüßend an ihm vorbei in die Osteria, um einen Fiasko Wein an den Wagenschlag zu holen. Die im Wagen saß, war Frau Amely. Eine Sekunde lang blickten sie sich in die Augen. Dann hob sie das Lorgnon und ließ es wieder fallen. Ohne eine Gesichtsregung wandte er sich ab, bestieg sein Gefährt und fuhr an ihr vorüber.
Die Campagna lag in Rot und Gold. Und über ihr stand ein purpurner Baldachin. »Abendsonne ...,« sagte Otten und blickte auf den Rücken des Kutschers. — —
»Ich muß weiter,« gestand sich Otten nach einigen Tagen, »ich hab’ mich noch nicht in der Faust. Man tritt nicht aus der Reihe der Menschen aus und nach geraumer Zeit wieder ein in gleichem Schritt und Tritt. Das Marschtempo hat sich für uns geändert, wir müssen umlernen. Dafür ist Rom nicht der Platz.« Und er sagte es seinem Freunde Koch.
»Daß du den Mut dazu hast, Joseph ...«