»Mit steinernem Gesicht in die große Nirwana hinübergleiten können, das ist — ein Ziel.« —
Wenn ein Monat vergangen war, sagten sie es sich. »Hast du es bemerkt?« Und sie schüttelten lächelnd die Köpfe.
An Regentagen saßen sie auf der Diele am Eichentisch des alten Klaus und disputierten über Leben und Sterben. Die Herren rauchten ihre Zigarre, der weißköpfige Hausherr seine langgestielte Tonpfeife. »Dat is ene Onsinn,« belehrte sie der Alte, spuckte aus, brach ein Stückchen des Tonstieles ab, um sich ein frisches Mundstück zu schaffen, und qualmte weiter. »Dat is ene Onsinn, öwer et Sterwen zu sinniere. Wenn mer esu alt geworde is wie ich, glöwt mer gar nit mieh an et Sterwen. Un dat is schön esu. Sons wär dat eja im Alter ene Landplag.«
Vor dieser einfachen Weisheit schwiegen die Freunde eine Weile.
»Ich glaube,« meinte Heinrich Koch endlich, »Klaus hat den Nagel auf den Kopf getroffen.«
»Geschmackssache,« murmelte Otten.
»Weißt du Besseres als den Tod ignorieren?«
»Ihm in die Zähne lachen, würde mir mehr noch gefallen.«
»Ich halte das für weniger bedeutend.«
»Aber es steckt eine männliche Geste darin. Sterben, wie man gelebt hat! Wenn ich als Junge die Geschichte der französischen Revolution las, kriegte ich einen roten Zornkopf über das Regiment des Mobs. Und ich jubelte erst wieder auf, wenn ich las, wie die Mehrzahl der Edelleute in den Tod ging. Ich bin kein Byzantiner. Nichts auf der Welt, was mir verhaßter wäre. Aber ich schwärme für die Aristokraten der Gesinnung, für alle Menschen ohne Sklavenblut. Himmel, wenn so ein Mann vom Karren sprang und auf die Guillotine stieg, auf der sein Kopf fallen sollte. Ein Wort noch war ihm frei. Und von der Guillotine herunter spie er aus Leibeskräften in die tobende Menge. Das besagte: ›Bande, hätt’ ich euch hier oben, ohne Barmherzigkeit legt’ ich euch unter das Messer.‹«