Am Tische dachten sie nach. Draußen rieselte unaufhaltsam der graue Regen. Und Heinrich Koch legte dem Freunde die Hand auf den Arm und meinte gelassen: »Das nennst du nun ein harmloses Plauderstündchen.«
»Kein besserer Beweis als dieser, daß ich der Ruhe bedarf.«
»Altes Sturmherz du.«
»Eine gnädige Woge hat mich fern auf den Strand geschlagen. Mehr wünsche ich nicht, als fernab liegen zu bleiben.« — — —
»Wieder ein Monat,« sagte eines Tages Heinrich Koch.
»Schon wieder. Schau! Ein Monat geht uns hin wie eine Minute. Nun kommen wir doch in der Zeitrechnung annähernd der der Götter gleich. Ich möchte meine Taschenuhr nicht mehr aufziehen.«
»Den Göttern gleich zu sein, ist edler Wunsch.«
»Ja. Da quälen wir uns mit unseren großen und kleinen Gedanken, halten uns für überaus wertvolle Objekte und die Erde beinahe für grenzenlos. Und doch ist sie nur ein Ameisenhaufen im Universum, und wir winzige, krabbelnde Ameisen, die ihren Dünkel emsig hin und her schleppen. Es ist zum Lachen! Wir dünken uns die Herren, weil unsere Sinnesfunktionen nicht weiter reichen, und die Ameise tut dasselbe. Und ohne daß wir es wittern, schreitet vielleicht ein anderes, ungeheuerliches Geschlecht über uns hinweg wie über Ameisen, schreitet wie Götter von Stern zu Stern, unsichtbar für uns, die wir ihnen in unserer Körper- und Gedankenkleinheit verächtlich erscheinen.«
»Wünsch’ ihnen gute Reise, Joseph. Dies bißchen Erdenpilgrimschaft gibt unserem Gewissen schon zur Genüge Arbeit.«
Otten lachte. »Müssen diese Kerle ein Gewissen haben!« —