»Oder sons en lecker Mädche,« schmunzelte der alte Klaus.

»Und wir wären noch leckere Jungens.«

»Sind wir noch,« sagte der Hausherr und rieb sich den weißen Stoppelbart.

Dann gingen sie ihrer Arbeit nach. Der alte Klaus setzte sich auf der Diele in seinen Lehnstuhl, dicht neben den Ofen, und vertiefte sich in die sonderbare Historie seines großen Ahns, des Rebellen und Manufakturwarenhändlers Nikolaus Gülich zu Köln am Rhein, und Koch gewann Otten für seinen Plan, eine Spezialgeschichte der Römerzeit am Niederrhein zu schreiben.

»Das ist etwas für dich, Joseph. Und auch für mich. Wir müssen in die Heidenzeit hinein, Tatenmänner aufmarschieren lassen, ihren Schöpfungen nachgehen und doch dabei das Gefühl haben, daß der liebe Gott auch damals schon wohlwollend auf seine Kinder sah.«

Otten fing Feuer. Seine historische Schulung, seine Universitätsstudien kamen ihm zu Hilfe. Bücher und Pläne wurden verschrieben, Vergleiche angestellt, die Marschrouten und Lagersiedlungen der Legionen und ihrer germanischen Hilfstruppen festgelegt, und bald konnten sie dazu übergehen, Sonderkarten der einzelnen Bezirke zu entwerfen, die sie im kommenden Frühling gemeinsam durchforschen wollten. Unter der Hand wuchs die Ausgabe, von der Form drangen sie zum Inhalt, von den Siedlungen zu den Siedlern, Zeit und Gewohnheiten schraubten sich zurück, und das stille Land bevölkerte sich mit römischen Kriegern und ubischen Jägern, dunkeläugigen Hauptmannsfrauen und blonden Germanenmädchen. Mitten unter ihnen lustwandelten im grauen Haar Joseph Otten und Heinrich Koch, übten sich in den Gebräuchen, tauschten Grüße aus, ritten zur Jagd oder zum Streit, lasen die Dichter oder saßen mit Römern und Germanen zum Mahle nieder.

In dieser Zeit begann Otten zuerst wieder von seinen Erlebnissen zu sprechen.

Es war Abends, wenn die drei Männer um den Eichentisch der Diele saßen, die große, grünbeschirmte Petroleumlampe brannte, das Feuer im Ofen rumorte und Tringche, die gutmütige Wirtschafterin, nachdem sie den Grogkessel vom Feuer gerückt hatte, lautlos in ihrer Schlafkammer verschwunden war.

»Das war noch ein Frauenmaterial, damals,« begann er und winkte Koch zu. »Mark in den Knochen und das Herz auf dem rechten Fleck. Mütter und Kameraden in eins. Daher waren sie auch heilig.«

»Das ist heute nicht anders geworden, Joseph.«