»Er kann bereits aus seinem Leben erzählen, ohne plötzlich abzubrechen. Das ist ein Zeichen, daß er nicht mehr mit seinen grau gewordenen Haaren hadert. Wenn er nun noch des letzten, schweren Gedankens Herr geworden ist, wird er wie aus einer langen Betäubung erwachen.«

»Wat bedrückt ihn denn esu ärg? Kann mer nit helfe?«

»Es ist der Gedanke, sich zu wenig um Frau und Kind bekümmert zu haben. So wenig, daß er keinen Teil an ihnen hat. Von Rechts wegen keinen. Verstehen Sie?«

»Enä. Dat verstonn ich nit. Loß hä doch hingonn un et ihr sage. Dann is doch alles en der Reih’.«

Heinrich Koch hustete. Der scharfe Tabakrauch der frischen Tonpfeife hatte ihm die Kehle gekitzelt. »Nee, nee, nee, Klaus. Ganz so einfach geht das doch wohl nicht. Es sind innerliche Menschen, und der Jupp besonders.«

»Ach watt. Innerlich oder äußerlich. Wenn sie sich bloß verdrage.« —

Es wurde immer kälter. Eisiger Wind fegte über das ungeschützte Land. Treibeis setzte sich am Rheinufer an, fror zusammen und bildete auf viele Meter in den Strom hinein eine feste, glatte Masse. Immer schmaler wurde das Strombett, immer schwerfälliger floß das Wasser, das sich mit grünlich schimmernden Eisschollen in das Bett teilte.

»Laß es da draußen Stein und Bein frieren,« meinte Otten und zog aus Karten und Büchern eifrig Notizen zusammen, »wir sind hier mit den ersten nachweisbaren Rheinbewohnern im Menschenfrühling. Hast du wieder Bratäpfel fabriziert, Heinrich? Ich würde an deiner Stelle auf die Jahrmärkte gehen, als Waffelbäcker oder dergleichen.«

»Du! Das ist ein Wort! Das Tringche soll uns Waffeln backen.«

»Ist er nicht ein großes Kind geblieben?« fragte Otten am Abend Klaus, als sie um den Eichentisch saßen und Koch sich die Waffeln zum Grog munden ließ. »Ich weiß nur nicht: ist er’s geblieben, oder bereits wieder geworden?«