»Sie wollen schon fort, werter Kollege?« fragte ihn Koch, der mit dem alten Klaus auf der Diele einen längeren Diskurs führte. »Wollen Sie sich nicht ein wenig in unsere Forschungen einführen lassen? Und neues Leben blüht aus den Ruinen. Sie werden sehen, die alten Helden waren ebenso vernünftige wie vergnügliche Leute.«

»Wenn Sie mich gebrauchen können, stehe ich immer zu Ihren Diensten.«

»Das soll ein Wort sein. Die Arbeit wird Kopf und Fäuste brauchen, wenn sie ein Kulturfaktor werden soll. Es ist gleichsam eine Bekehrung von oben nach unten.«

Der alte Klaus kniff ein Auge. »Vergeßt nit, die Rheingass’ zu grüße, Moritz.«

»Es soll mein erstes sein.« Und Moritz Lachner suchte sich seinen Weg aus dem kleinen, verwunschenen Städtchen heraus und marschierte die Chaussee, die zur Bahnstation nach Dormagen führte. Von dort brachte ihn die Eisenbahn in einer halben Stunde nach Köln.

Am Nachmittag ging er zu Frau Maria. Ein Dienstmädchen öffnete und wies ihm das Zimmer.

Frau Maria hob den Kopf bei seinem Eintritt. Sie saß an ihrem Arbeitstischchen und stickte. Das volle Haar hatte seine Farbe geändert, es lag in silbernen Wellen um das jung gebliebene Gesicht. Nur der schärfer Zuschauende gewahrte die feinen Runen, die die Geschichte langer Nächte erzählten.

»Sie sind es, Moritz?«

»Ja, Frau Doktor. Und Sie sind wieder allein?«

»Carmen ist doch von Heidelberg gekommen. Also bin ich nicht einmal so allein wie sonst.«