»Aber sie ist nicht bei Ihnen.«
»Sie kleidet sich in ihrem Zimmer an. Sie will zu einem großen Kostümfest, deshalb braucht sie mehr Zeit zur Toilette.«
»Und deshalb unterbrach sie ihre Studien in Heidelberg ... Darf ich Ihnen ein wenig Gesellschaft leisten, Frau Doktor?«
»Wenn Sie den Abend für eine alte Frau frei haben, Moritz?«
Moritz Lachner zog sich leise einen Stuhl heran, setzte sich und beugte sich über ihre Hand, die still im Schoße ruhte. »Sie sind mir wie eine Mutter, und Mütter werden nie alt.«
»Verwöhnen Sie mich nicht, Moritz.«
»Wie anspruchslos müssen Sie geworden sein, daß Sie mich unscheinbaren Menschen als Verwöhnung auffassen.«
Sie lächelte über ihn hin. »Anspruchslos? O nein. Das wäre gleichbedeutend mit arm. Mein Vermögen trägt nur keine Zinsen mehr, aber es hat sich in jüngeren Jahren so angesammelt, daß ich bis zu meinem Tode davon zehren kann. Nein, anspruchslos bin ich nicht.«
»Ich kann Sie nur immer bewundern,« sagte Moritz Lachner.
»Dazu haben Sie keinen Grund. Ich sehe nur den Dingen in die Augen und gebe ihnen keine falschen Namen.«