Dann plauderten sie von Tagesereignissen, von Lachners Dozententätigkeit und seinen wissenschaftlichen Plänen und merkten kaum, daß die Stunden dahingingen. Das Dienstmädchen hatte die Lampe gebracht, und die Uhr schlug halb acht, als Carmen ins Zimmer trat. Sie trug das kleidsame Kostüm der Damen der französischen Revolution. Wie ein Blumenkelch hob sich die schlanke Büste aus dem fließenden Gewand, und in den schwarzen Locken saß keck der Zweispitz. Es war Elastizität in dem jungen Körper.
»Ist Laurenz noch nicht hier?«
»Laurenz nicht, aber Moritz.«
»Ach, der Moritz ... Guten Tag. Du schwänzest wohl dein eigenes Kolleg? Das ist heiter, aber es erlöst mein Gewissen, weil ich auch schwänze. Der Laurenz nimmt sich wirklich Zeit, Mutter.«
»Du solltest eine Tasse Tee trinken und ein paar Cakes essen, Carmen. Es ist kalt draußen, und bis ihr ans Büfett kommt, werden noch ein paar Stunden vergehen.«
»Tu’ ich dir einen Gefallen damit, Mutter? Aber unverantwortlich bleibt es doch von Laurenz, mich warten zu lassen.«
»Vergiß nicht, daß du in Heidelberg auch deinen Professor warten lässest,« meinte Frau Maria lächelnd und ging, um selbst den Tee zu bereiten.
»Die Mutter stellt dich damit Laurenz gegenüber auf eine hohe Stufe,« sagte Moritz Lachner.
Sie sah ihn mit ihren dunklen Augen erstaunt an. »Glaubst du vielleicht, das täte Laurenz nicht auch?«
Er zwang sich, den Blick ruhig zu ertragen, aber als er zu sprechen begann, wurde er plötzlich blaß.