»Hast du denn gar nicht an deine Mutter gedacht, Carmen; gar nicht an deine Mutter?«

»Du hatt’st ja den ganzen Tag keine Zeit für mich gehabt.«

»Das ist meine Strafe,« murmelte die Frau, strich sich mit der Hand über die Augen und erhob sich.

»Carmen,« sagte sie ruhig, »du wirst das nie wieder tun. Nie mir wieder Sorgen machen. Du bist doch mein großes, vernünftiges Mädchen und weißt, daß die Mutter dann allein ist. Ich will dir heute die Strafe erlassen. Aber nie wieder etwas tun, ohne daß die Mutter davon weiß. Ich hätte doppelt darunter zu leiden. Und nun schnell deinen Kakao. Und dann ins Bett.«

Als die Mutter nach einer Weile mit der dampfenden Tasse aus der Küche hereinkam, saß die Kleine, die Arme aufgestemmt, am Tisch und baumelte mit den Beinen.

»Du, Mutter, ich stand ganz vorn, als der Vater am Gürzenich vorfuhr. Er hat mich erkannt.«

Die Tasse zitterte und klirrte ein wenig, als sie hingesetzt wurde. »Woher willst du das wissen ...?«

»Er hat mir zugenickt und gelacht.«

»Und — gelacht — —?«

»Weil er sich so gefreut hat, mich zu sehen.«