Er sah sie im Dunkel verschwinden.

Wo war sie hin. Dort — in den Rheinwiesen! Nein, es waren zitternde Weidenbäume. Und doch! Aber dort führte doch kein Weg —. Er riß das Fenster auf und beugte sich weit hinaus. Das Donnern und Poltern der krachenden, schiebenden Eisschollen erfüllte sein Ohr.

Der Strom —!

Kalten Schweiß auf der Stirn, trat er zurück. Weshalb suchte sie den Strom auf? Und auf einmal durchzuckte es ihn: Sie will in den Rhein! In den Rhein will sie. Soeben hat ihre müde Seele den Fangschuß erhalten. Nun kann sie nicht mehr.

»Hoho!« schrie er auf.

Und Hut und Mantel zusammenballend, stürmte er hinaus. Um den Mauervorsprung, über die Wiesen, an den Rhein.

»Hoho — Maria

XVIII

Der Tauwind hatte sich stärker erhoben. Kurze, gellende Pfiffe stieß er zwischen den Pappeln aus, und über die platten Kronen der Weidenkrüppel fuhr er in zornigem Summen. Die Luft war voll eifernder Stimmen, und wie von Jägerrufen angefeuert, hetzten sich die Wolken, fraßen den Mond, spieen ihn aus und verschlangen ihn aufs neue. Und im jähen Wechsel des auf- und untertauchenden Lichtes wuchsen die Schatten auf den schneenassen Rheinwiesen ins Ungeheure, bekämpften sich, quirlten durcheinander und verschwanden spurlos im Nichts, um an anderer Stelle aufzutauchen, lautlos zu ringen und wieder zu verschwinden.

»Maria!« rief Otten. Und das Lachen des Windes flog ihm um die Ohren.