Sacht strich er über ihr Gesicht. »Hast du es wirklich tun wollen, Maria? Hast du das wirklich gewollt?«
Sie schloß die Augen fest zu, und ein Schauer lief durch ihre Schultern.
»Und du glaubst wirklich, ich hätte es dich allein tun lassen? Wenn einer auf der Welt überflüssig ist, so bin ich es doch. Wie wenig ich nütze bin, das wolltest du mir doch soeben zeigen.«
Kurz hintereinander prallten zornige Windstöße gegen den Eisstrom. Die Schollen bäumten sich gegen das Ufereis, krachend brach der Rand und verschwand in der Tiefe. »Joseph!« schrie Frau Maria auf und zog ihn mit wilder Bewegung zur Seite.
»Hast du Angst um mein Leben?«
»Komm — komm fort,« murmelte sie, und Frost und Erregung schüttelten sie.
Den Arm um sie gelegt, führte er sie ein paar Schritte dem Ufer zu. »Das geht nicht,« sagte er und blieb stehen, »dein Mantel liegt dir wie ein nasses Tuch an. Du kannst dich ja kaum auf den Füßen halten.« Und er zog ihr den Mantel ab und hüllte sie dicht in seinen Havelock, den er schnell von der Schulter genommen hatte. »Ist dir jetzt wohler? Spürst du etwas mehr Wärme? Warte, wir sind bald daheim.«
Er legte ihre Arme um seinen Nacken und trug sie mehr, als er sie führte, über die glatte Fläche dem Ufer zu. Dann machte er eine kurze Pause. Langsam wandte er den Kopf dem aufkreischenden Eisgang zu, und eine Sekunde loderte die alte Siegerfreude in seinen Augen auf.
Auch Frau Maria blickte zurück. »Jetzt — wäre es schon vorüber,« sagte sie tonlos. Und plötzlich gaben ihre Nerven nach, alle Anspannung versagte, ein krampfhaftes Aufschluchzen rüttelte ihren Körper, und ein leidenschaftliches Weinen schüttelte sie.
Joseph Otten stand vor ihr und preßte ihre Hände. Preßte sie fester und fester, daß sie seine Nähe spüren sollte, selber erschüttert bis ins Mark. Es war das erste Mal, daß er seine Frau weinen sah.