Frau Maria gab den Männern die Hand und ließ sich willenlos auf Ottens Zimmer führen. Im Ofen flackerte ein tüchtiges Feuer. Man spürte Heinrich Kochs sorgende Hand. Die Wirtschafterin folgte ihnen auf dem Fuß, und Otten ließ die Frauen eine Weile allein. Als er ins Zimmer zurückkehrte, saß Frau Maria in trockenen Kleidern, Füße und Knie sorgsam eingehüllt, in der Sofaecke und nahm auf Zureden von Tringche den heißen Trank zu sich. »Es geht mir schon wieder gut, Joseph.«

Otten zog einen Stuhl neben das Sofa, setzte sich und nahm ihre Hand. Die Wirtschafterin fragte, ob sie zu essen bringen solle. »Ich kann nicht,« sagte Frau Maria, und auch Otten schüttelte den Kopf. Dann ging die Frau mit zutraulichem Gruß, und sie waren allein. Beide sahen sie vor sich nieder.

Draußen rüttelte der Wind an den Fensterläden und fuhr in ohnmächtiger Wut um das Haus, in das ihm seine Beute entschlüpft war. Sie hörten ihn beide, und hörten dumpf in der Ferne den Eisgang.

»Weshalb wolltest du das tun, Maria?«

»Du hattest mich nicht mehr nötig.«

»Ich durfte dich nicht mehr nötig haben, Maria. Du hast doch immer so gut in mir zu lesen verstanden.«

»Aber ich hatte dich nötig, dich! Wäre ich sonst gekommen, wenn ich noch ein und aus gewußt hätte? Du lasest doch auch in mir, für dich war ich doch nie ein Rätsel, und ich wurde abgewiesen.«

»Es geschah in der ersten Überraschung. Ich war so unvorbereitet, daß ich den Kopf verlor.«

»Sieh, Joseph, es war das erste Mal, daß der Glaube an dich ins Wanken geriet. Was du auch im Leben zuviel getan und zuviel unterlassen haben mochtest, ich habe immer den ritterlichen Mann in dir gesehen. Selbst damals, als das Unglück kam. Ich war Frau genug, um das alles zu verstehen, und vor allem — ich war doch deine Frau. Nur einen großen Fehler habe ich begangen: ich hätte mich dir aufzwingen müssen. Vielleicht wärst du schneller gesundet, vielleicht wären wir beide vor der Zeit miteinander alt und still geworden. Aber wir wären doch beieinander gewesen.«

Er streichelte wortlos ihre Hand.