»Ist es mit Laurenz Terbroich? Du weißt, daß Lachner bei mir war, aber ich glaubte keine Rechte zu besitzen.«
»Ja — — mit Laurenz Terbroich. Und Carmen ist mündig. Ihr Studium hat sie noch mündiger gemacht. Darüber wollte ich nicht klagen, wenn sie ihr Selbstbestimmungsrecht zielsicher ausübte. Aber sie tut es nur dort, wo es ihr paßt, sie fürchtet, vom Leben zu verlieren, wenn sie an einer festlichen Stunde vorüberginge, und wenn sie die meisten Stunden als festliche auffaßt und ich den Finger ins Mal lege, beruft sie sich stolz auf ihr Blut und auf —«
»Sag es nur.«
»Und auf das Beispiel ihres Vaters, der für sie immer das Vorbild war.«
»Es ist meine Tochter,« sagte Otten und preßte die Lippen aufeinander.
»Dann kam Laurenz Terbroich heim. Er hatte sich in London und Paris zu einem hübschen Menschen ausgewachsen, und er wußte, daß er auffiel. Wäre er von den jungen Mädchen nicht so sehr hofiert worden, ich glaube nicht, daß Carmen sich um ihn gekümmert hätte. So aber freute es sie, daß er für sie alle scheinbar keine Blicke hatte und nur diensteifrig ihre Gunst suchte. Es gibt Menschen, die wie schleichendes Gift wirken. Laurenz Terbroich gehört zu ihnen. Ich selber ließ mich täuschen. Ich hielt bis vor wenigen Tagen für vorübergehende Eitelkeit, was kälteste Berechnung war. Er ist eine einzige Lüge.«
»Liebt er Carmen?«
»Wer sollte sie nicht lieben? Du hast sie zu lange nicht gesehen.«
»Und — liebt sie ihn wieder?«
»Er baut Luftschlösser vor ihr auf, bis sie berauscht ist. Dann geht ihre Phantasie mit dem Erzähler durch.«