»Und du?«

»Ich ging zu Laurenz Terbroich. Verzeih, Joseph, daß deine Frau den Schritt unternahm. Aber ich wollte Klarheit um jeden Preis, und es war sonst keiner da, der sie mir hätte beschaffen können.«

»Arme Frau,« sagte Joseph Otten und sah sie lange an.

»Er hat seine eigene Wohnung. Du kennst das Haus in der Komödienstraße, es gehört Terbroich. Ich traf Laurenz und fragte ihn: Was habt ihr vor? Und er ging mir mit seiner glattesten Liebenswürdigkeit aus dem Wege. ›Überlassen Sie das nur ruhig uns, Frau Doktor, wir sind ja noch so jung, weshalb uns jetzt schon binden und unter unsere Jugend einen Strich machen!‹ Da befragte ich ihn wegen des Verlobungsprojektes. Er war zuerst bestürzt, dann wich er aus. ›Vielleicht ein kaufmännischer Schachzug meines Vaters. Die Zeiten sind etwas schwierig. Aber Carmen und ich lassen uns selbst durch solche Projekte nicht irritieren.‹ Ich ging, wie ich gekommen war, nur beschämter, beschämt, kein Mann zu sein. Ich konnte ihn nicht bezwingen.«

Ottens Gesicht war dunkelrot geworden. »Der Bursche — —! Ich erkenne seinen Vater in ihm!«

»Joseph — —«

»Sie sind zu vorsichtig, sich eine Blöße zu geben. Danken wir Gott, wenn Carmen von der Gesellschaft befreit ist.«

»Und wenn sie — zu spät davon frei wird? Das ist ja meine jagende Angst. Ob es nicht schon — zu spät ist?«

Aus Ottens Gesicht wich die Farbe. »Sag das nicht, Maria. Das nicht.«

»Ich muß es. Ich kann nicht mehr warten. Es geht ja nicht nur um Carmen, es geht ja auch um dich. Deine Tochter, Joseph! Deine Tochter: ein Spielzeug! Darüber — nein, darüber kämst du nie hinweg. Und wenn andere Frauen, klügere, zeitgemäßere Frauen tausend schöne Worte dafür finden — hier handelt es sich nicht um andere Frauen, nicht um klügere und freiere, nicht um alle Frauen der Welt, hier handelt es sich um deine Tochter. Du: deine Tochter! Wo ist der Vater? Ich bin todmüde ...«