»In jedem Zug bist du wie früher. Wenn man älter wird, hat man andere Schönheitsbegriffe, und das ist gut.«

»So,« befahl er, »und jetzt keine weiteren Schmeicheleien.« Er ließ ihren Kopf in die Kissen sinken und wickelte sie fest in die Decken. »Wenn du mich liebhast, schläfst du auf der Stelle ein.«

»Ich will erst sehen, daß die Wirtschafterin dir dein Sofabett richtet.«

»Unverbesserliche du. Ich werde sie also rufen.«

Tringche kam mit Decken und Kissen, bereitete das Lager, sah nach der Frau, klopfte an ihren Betten herum und verschwand mit vielen guten Wünschen.

»Gute Nacht, Joseph.«

»Gute Nacht, du liebe Frau.«

Sie schloß einen Moment die Augen, öffnete sie groß, hob die Arme und zog schnell seinen Kopf an ihre Brust. »Du! — — — Nun sind wir alte Leute .... Gute Nacht.«

Er saß auf dem Bettrand, bis sie eingeschlafen war. »Nun sind wir alte Leute,« wiederholte er sich. Und er schüttelte den Kopf. »Man muß den Kreis nur etwas enger ziehen, und man bleibt jung. Der alte Klaus fühlt sich wie ein Jüngling.«

Er erhob sich leise und ging aus dem Zimmer. Dabei fiel ihm ein, daß Heinrich Koch auf ihn wartete. »Ich werde mich noch ein Stündchen zu ihm auf die Diele setzen. Wir haben als Knaben zusammen begonnen und schließen als Grauköpfe den Kreis. Was darin ist, bedeutet nun für uns die Jugend.«