»Weil ich geborgen bin. Ja — —. Wie wunderbar das ist, daß sich das — wiederholt. Jetzt wiederholt. Ich hab’ nicht lange — ein kleines Mädchen sein dürfen. Daher sind mir auch die Tage — so treu im Gedächtnis geblieben. Und später — wenn ich einmal von Herzen müde war — habe ich mich heimlich immer nach ihnen gesehnt. Oft — oft sehr stark. Aber ich hatte ja — den großen Jungen zu schaukeln, der mein Mann war. Das ging vor. Und nun — tust du mir denselben — Liebesdienst.«

»Sprich nicht so viel, es strengt dich an.«

»Das tut nichts. Ich habe eigentlich — nie viel im Leben gesprochen. Aber heute macht es mir Freude. Ich kann dir das nicht erklären. Aber es ist mir so, als ob ich immerfort — immerfort mit dir plaudern müßte. So vieles, was ich versäumt habe — dir zu sagen. Ich war immer zu beschämt, es auszusprechen. Du solltest mich nicht für aufdringlich halten. Daß ich dich so heiß liebte.«

»Du — du —« sagte Otten und wiegte sie leise.

»Nun bin ich wieder — in der Schaukel. Die einzige schöne Kindererinnerung, die mir geblieben ist, nimmt Gestalt an — daß ich sie greifen könnte. Das ist — wie eine Auferstehung. — Ach du — — bei dir ist es so gut ....«

»Ich glaube,« sagte Otten, »du willst mir gar noch danken.«

»Ich habe Grund dazu. Nein, widersprich nicht. Wenn ich einmal sterben sollte — will ich ihn dir sagen.«

Er wiegte sie hin und her. Sein graues Haar lag dicht an ihrem vor der Zeit gebleichten.

Vor dem Hause fuhr die Kalesche des Arztes vor. Heinrich Koch hatte ihn erst erwarten müssen und ihn nach kurzer Aufklärung gleich mitgebracht, nachdem sie sich in der Apotheke mit allem, was in Betracht kommen konnte, versehen hatten. Der Arzt klopfte an die Zimmertür, und Otten rief »Herein!«, ohne seine Frau aus dem Arm zu lassen. Einen Moment blieb der Arzt, betroffen von dem seltsamen Bild, auf der Schwelle stehen. Dann trat er rasch näher und nannte seinen Namen.

»Gestatten Sie, daß ich sofort die Untersuchung vornehme?«