Jetzt erst machte Otten Platz. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und stand am Fußende des Bettes, damit Frau Maria ihn sehen könnte. Es tat ihm weh, als der Arzt ihre Brust enthüllte.

Die Untersuchung zog sich eine geraume Weile hin. Zwischendurch stellte der Arzt einige Fragen nach allem, was voraufgegangen war. Bevor Otten antworten konnte, antwortete Frau Maria. Sie wollte nicht, daß er sich mit einem Bekenntnis peinigen sollte.

»So, so. Sie sind bei dem Unwetter am Rhein gewesen. Diesen Frühlingsstürmen ist nicht zu trauen. Und jedenfalls befanden Sie sich in einer seelischen Erregung, die Sie zur Aufnahme der Krankheit noch geeigneter machte. Nun, es ist nur eine Affektion. Die Hauptsache ist, gnädige Frau, daß Sie aufs genaueste die Vorschriften befolgen. Dann werden wir bald wieder am Rhein spazieren gehen. Aber bei besserem Wetter. Soll ich aus dem Kloster eine Schwester herbitten?«

»Wenn Sie mir die Dienstreichungen anvertrauen könnten, Herr Doktor,« sagte Otten und trat vor, »so wäre es mir lieber. Was mir an Geschicklichkeit abgeht, ersetze ich durch Zuverlässigkeit.«

»Ich dachte nur, daß sich Frauen gegenseitig —«

»Meine Frau ist nur an mich gewöhnt.«

»Schön. So darf ich Sie wohl informieren, und am besten im Beisein der Wirtschafterin.«

Otten öffnete höflich die Tür, nickte seiner Frau zu und folgte dem Arzt, der auf der Treppe stehen blieb. »Hören Sie, Herr Doktor Otten, das ist keine leichte Affektion, wie ich es vorhin zur Beruhigung Ihrer Gattin hinstellte. Ich habe die Pflicht, Ihnen gegenüber offen zu sein. Und ich kann es doch?«

»Ohne Schonung, wenn ich bitten darf.«

»Es ist eine Lungenentzündung, die sich rapide entwickelt hat. Wenn ich auch nicht gleich das Schlimmste befürchte, so muß ich Sie doch auf den Ernst der Situation aufmerksam machen. Meine Vorschriften müssen auf das peinlichste befolgt werden, eine Nachtwache muß sein, die alle zwei Stunden die Packungen wechselt und jede Minute bereit ist, beizuspringen, der Kranken durch Eisstückchen Erleichterung zu verschaffen und ihre Herztätigkeit durch einen Trunk Champagner anzufeuern. Ich möchte Sie noch einmal fragen: Soll ich nicht lieber eine Vinzenzschwester bitten?«