Heinrich Koch schüttelte den feinen Gelehrtenkopf. »Selbst wenn das Schlimmste einträte, Joseph, Frau Maria ist nicht wie jede andere — es bleibt etwas.«
»Etwas.«
»Genug für dich, wo du gar nichts mehr erwartet hattest. Und wohl sogar so viel, daß auch ich noch daran teilhaben kann.«
»Jupp,« sagte der alte Klaus, »Kop hoch. Hal dr Nacke stief.«
Da flog ein Lächeln über Ottens steinerne Züge. »Dat donn ich. Gut’ Nacht.«
Die kurze Ansprache hatte ihm gut getan. Sie wirkte nach und füllte die Stunden aus. »Nur die Knabenfreundschaften haben den langen Atem des Lebens,« dachte er. »Was hinterher kommt, ist nicht mehr uneigennützig. Wo sind alle die Nachfolger geblieben? Mit der letzten Flasche, zu der ich sie einlud, vom Stuhl gefallen. Habeant sibi.«
Er träumte vor sich hin. Vom alten Klaus und dem väterlichen Schiff, das er führte. Von Heinrich Koch, dem kleinen, fröhlichen Kameraden, der ihm nie von der Seite gewichen war. Und von dem kleinen Hinterhälter — wie hieß er doch? — Medardus. Medardus Terbroich. Der Name stach ihm ins Gehirn. Medardus — Laurenz. »Sippschaft du. Wir rechnen noch ab.« —
Mit der Uhr in der Hand führte er den Krankendienst aus. Vor Morgengrauen erwachte Frau Maria, um nicht wieder einzuschlafen. »Guten Morgen, Liebste,« sagte er und beugte sich über sie. »Wie fühlst du dich?«
Ihre Augen gingen über ihn hin, streiften die Wände ab und kehrten zu ihm zurück. »Was war das nur? Das Letzte?«
»Du wirst geträumt haben. — Erkennst du mich jetzt?«