»Ich weiß, und ich werde das meine dazu tun.«

Nach einer Viertelstunde, während der Kollege am Bett blieb, nahm er Otten beiseite. »Das Herz ist aufgerieben, es leistet keinen Widerstand. Die Lungenentzündung allein hätte das nicht vermocht. Ich habe ihr Kampfer gegeben, um die Herzschwäche zu heben. Das täuscht über ein paar Stunden hinweg. Aber — wie gesagt — es täuscht nur hinweg.«

»Leiden soll sie nicht!«

»Geben Sie ihr in der Nacht noch einmal von diesen Tropfen. Das Bewußtsein der Schmerzen wird dadurch aufgehoben. Sie war eine tapfere Frau, Herr Doktor.«

»Ah — — sie war — —!« —

Und wieder war er mit seiner Frau allein. Er hatte die Fensterläden geschlossen, daß kein Ton der Außenwelt in ihr Beieinander dringen sollte, und das Licht fortgestellt, daß nur ein Schein über ihnen lag. Und während es Nacht wurde und Stunde auf Stunde vorüberzog, Stunden, die nur nahmen und nichts brachten, erzählte er in leisem Flüsterton immerfort, immerfort. Von all den Jahren, von denen sie nichts wußte, und die doch ihr gehört hätten gleich all den früheren, weil seine Sehnsucht sie wie ein scheuer Vogel umflattert hätte.

»Nun hole ich alles nach,« sagte sie mit fliegendem Atem. »Alles mit einemmal.«

Und er erwiderte, und es war wie eine Selbstanklage: »Was hast du für ein Leben gehabt — —«

Sie strich mit der Hand über die Decke, als ob sie seine Seele glätten könnte. Er mußte sich zu ihr beugen, um sie zu verstehen.

»Keine Frau war glücklicher. Denn ich durfte nicht nur eine Liebe, ich durfte ein Trost sein. Wer kann soviel von sich sagen. Und daß ich dein Trost sein durfte — das macht mein Leben — herrlich.«