Er nahm nur ein Glas Wein. Etwas anderes zu genießen, ließ er sich nicht überreden. Oben in der Schlafkammer stand er in Hut und Havelock lange vor der Toten. Die Kirchenuhr schlug eine Nachmittagsstunde. Da riß er sich los.

»Ich geh’ jetzt, Maria.«

Und er ging. Schweigend um die Stadt herum und schweigend über die lange, öde Chaussee, die vor drei Tagen seine Frau gegangen war. Das fiel ihm ein, als er einherschritt. »Sie hat ihren Auftrag ausgeführt. Ich darf nicht zurückbleiben.«

Als die Station in Sicht kam, beeilte er sich.

»Ich hab’ einen Auftrag. Ich hab’ die Konsequenzen meines Lebens zu ziehen. Daran kommt keiner vorbei, und wenn er sich auf die einsamste Insel gerettet hätte. Eine vom Wind verschlagene Woge rollt heran und holt mich herunter. Und ob ich mir die Konsequenzen meines Lebens anders gedacht hätte, fröhlicher, leichtlebiger — danach wird nicht gefragt. Es handelt sich nicht mehr um dich, es handelt sich um die, die du nachlässest, Joseph Otten. Also bist du noch zu etwas nütze. Schlafe ruhig, Maria.«

Der Zug war des Fastnachtsdienstags wegen wenig besetzt. Er nahm einen Platz in einem Kupee erster Klasse und blieb allein. Gemächlich fuhr der Zug von einer Station zur andern. Er merkte es nicht. Er saß in seiner Ecke und grübelte.

»Es gibt einen Ausgleich. Weil ich an keiner Frau vorüber konnte, ohne sie schön zu finden, muß ich im Alter ausziehen, die Tochter zu schützen.«

»Vor solch’ einem Burschen. Das ist das ärgste.«

Übermüdet schloß er die Augen. Und wie auf einer Pflichtwidrigkeit betroffen, schnellte er hoch.

»Bleib munter, Joseph, bleib munter. Nachher gibt’s Zeit zum Schlafen die Menge.«