XX
Laurenz Terbroich war unwillkürlich zur Seite getreten. Offenen Mundes starrte er die Erscheinung an. Dann preßte er die schmalen Lippen aufeinander und blähte die Nasenflügel, um seine Bestürzung zu meistern. »Herr Doktor Otten?« fragte er endlich und lächelte mit unterwürfigen Augen. »Sie kommen nach Köln zurück?«
»Extra Ihretwegen.«
Laurenz Terbroich schloß die Korridortür und ließ den Besucher ins Zimmer. »Entschuldigen Sie die Unordnung, Herr Doktor. Mein Diener hat den Nachmittag von mir frei bekommen, des Fastnachtsdienstags wegen. Auch ich wollte noch zu einer Veranstaltung. Man wird in diesen Tagen den Domino überhaupt nicht mehr los. Aber Sie waren ja auch einmal jung und in solchen Dingen nicht der letzte. Nein, wirklich, es sieht hier geradezu beschämend aus.«
Er hastete die Sätze heraus, als wollte er den Besucher gar nicht zu Wort kommen lassen, als wünschte er von vornherein den leichten Ton anzugeben, auf dem sich die Unterhaltung bewegen möchte.
Joseph Otten sah sich aufmerksam um. Der Salon war geschmackvoll in einheitlichem Stil gehalten. An den Wänden hingen alte, schöngerahmte Ölbilder. Auf dem Tisch stand die fußhohe Nachbildung einer Venus in Bronce. Daneben ein dünnstengeliges, halbgefülltes Sektglas venetianischer Arbeit und in metallenem Kühler die leere Flasche. Mit einem ironischen Ausdruck blickte Otten von dem Arrangement auf den Besitzer, der sich verlegen das schmale Backenbärtchen und die rasierte Oberlippe strich.
»Sie haben sich wohl Mut getrunken, Herr Terbroich?«
»Mut? O nein. Aber in dieser Karnevalsstimmung —«
»Ernsthaft. Ist diese Karnevalsstimmung in den letzten Jahren nicht die normale bei Ihnen gewesen?«
»Sie scherzen. Ich bin sonst kein Trinker. Ich wollte nur heute abend gleich in gehobener Stimmung sein.«