Und der alte Klaus setzte sich geduldig auf den Bettrand und begann: »Es waren einmal ein klein, nackig Engelchen —«

»Das ist doch eine Kleinkindergeschichte. Schäm dich doch, Klaus.«

»— und das klein, nackig Engelchen sagten zu einem alten Mann: Hä sall sich jet schamen. Als das aber der liebe Gott hörten, da sagten der liebe Gott: Pfui Deuwel!«

»Das ist nicht wahr. Der liebe Gott nimmt den Namen des Teufels nicht in den Mund.«

»För gewöhnlich maag dat sing Richtigkeit hann. Äwwer wenn der leewe Gott ens in Wut kütt wegen Ongezogenheiten von singe Menschekinder, dann säht hä dat Schläächteste, wat hä kennt, un dann säht hä: Pfui Deuwel!«

Die Kleine hatte sich den Schluß des pädagogischen Vortrags geschenkt. Sie war eingeschlafen.

Und unten in ihrem Zimmer stand die Hausfrau, erregt noch immer von den ungestümen Liebkosungen des Mädchens, erregter noch von dem, was es gesagt hatte.

»Sie wird es morgen vergessen haben,« murmelte sie. »In ihrem Alter verwischen sich Eindrücke schnell. Aber sie wächst heran — —«

Durch die geöffnete Tür sah sie in das geschmückte Speisezimmer, auf das unbekümmerte Männerbildnis.

Die brautweiße Seide an ihrem Körper knisterte, als sie den Kopf hob.