»Komm bald, Joseph — —« — —
III
Es klingelte leise. Kaum, daß die Glocke anschlug. Der Ton konnte nicht bis zum alten Klaus in die Giebelstube gedrungen sein, und um das Kind durch Abrufung des Alten nicht zu ermuntern, ging Frau Maria Otten selbst, die Türe zu öffnen. Mit abgezogenem Hütchen wartete Moritz Lachner draußen.
»Nun, Moritz — so spät noch?«
»Der Herr Doktor schickt mich —«
»Wir wollen nach oben gehen,« sagte sie. »Es ist kalt an der Haustüre.« Und sie ging voran. Eine Botschaft Josephs mochte sie nicht zwischen Tür und Angel verhandeln.
Moritz Lachner folgte ihr respektvoll. Der Mutter Carmens brachte er heiße Bewunderung entgegen. Und diese Bewunderung war wie eine heilige Verehrung, als er hinter der großen Frauengestalt herschritt, der der weiße Brokatstoff ein so feierliches Ansehen schuf. Nur seine Mutter hatte er so verehrt, die, als sie noch lebte, tagaus, tagein in dem einzigen hellen Zimmer gesessen hatte, das die Trödel- und Maskengarderobelager des väterlichen Geschäftes übrig gelassen hatten, den Blick auf eine Stickerei gerichtet und nur schnell und freudig aufschauend, wenn der Sohn ins Zimmer trat. Seit sie gestorben war, wie eine arme zitternde Zimmerpalme, gehörte seine leidenschaftliche Frauenverehrung der ruhigen, selbstsicheren Frau in Joseph Ottens Haus. Nicht zuletzt, weil es Joseph Ottens Haus war. Alles Eigene, Freie und Kühne lockte seine scheue Seele.
»Der Herr Doktor hat dir einen Auftrag gegeben?« sagte Frau Maria und setzte sich in ihren Arbeitssessel. »Warst du denn im Konzert, Moritz?«
»Ich habe draußen gewartet, bis es aus war.«
»Zwei Stunden in der Kälte? Du bist ein Schwärmer, Moritz.«