Nun lachte sie ganz leise in sich hinein.

»Sie sollen alle kommen.«

Die Hausfrau regte sich in ihr. Sie ging ins Speisezimmer und musterte den Tisch. Zwei Gedecke lagen aus. »Ich werde also verzichten und noch ein drittes Gedeck hinzufügen. Joseph — Terbroich — und Professor Koch.« Sie traf die Anordnungen und war befriedigt, daß die Delikatessen reichten. »Es sind verwöhnte Zungen, die Kölner.«

In der Küche stellte sie noch ein paar Flaschen kalt. Dann lauschte sie hinaus. Der alte Klaus kam von oben.

»Hat es so lange gedauert?« fragte sie mitleidig.

»Ratsch, war sie eingeschlafen,« berichtete der Alte und klappte sich mit dem Handrücken gegen den gähnenden Mund. »Aber et Schlafen sticht an. Ich hann gedrömelt.«

»Gehen Sie schnell zu Bett, Klaus. Der Herr hat sich den Hausschlüssel holen lassen.«

»Dat wor ene kloge Gedanke,« lobte der Alte mit dem Egoismus des Siebzigers. »Zwei Jahr — oder zwei Jahr un eine Dag — dat macht beim Wiedersehen nix aus. Schlaft wohl, Frau.« Und er stapfte zufrieden die Treppe hinunter und suchte sein Lager.

»Nun schläft alles,« dachte Frau Maria, als sie wieder vor ihrem Arbeitstischchen saß. »Nur ich wache im Hause. Und so wird er mich, als was er mich zurückließ, als Wächterin des Hauses, auch bei der Heimkehr wiederfinden.«

Einige Male klapperten noch Schritte Vorübereilender über die Rheingasse. Dann wurde es still. Aber die Frau am Arbeitstischchen ließ sich durch die Stille nicht zu Träumereien verlocken. Sie hatte das Schulkleid des Kindes über den Schoß gebreitet und nähte die zerzausten Schleifen fest.