Nun lauschte sie ... Vom Heumarkt her kamen Schritte. Männerstimmen klangen durch die Luft. Ein Lachen flog voraus. — Da packte sie das Kleidchen weg und erhob sich. Und mit einem Male kam eine grenzenlose Befangenheit über sie, daß sie aus großen, bangenden Augen ziellos um sich blickte, daß ihr Lächeln eine Sekunde lang wie ein Weinen wurde und die Kehle sich zuschnüren wollte. Unten drehte sich der Schlüssel im Schloß. Schritte von Männern auf der Treppe. Einer den anderen in großen Sätzen vorauf. Die Türe zu ihrem Zimmer öffnete sich, schloß sich sofort.
»Joseph — —!« schrie sie auf. — —
Er hielt sie fest. Der Schlapphut war ihm abgefallen, der Mantel von der Schulter gerutscht. Der Siegesübermut schwand. Eine mächtige Bewegung ging durch den Mann. Und sie preßte den Kopf gegen seinen Arm und fühlte wie eine Erlösung, daß Lachen und Weinen sich befreit hatten in dem einen Aufschrei: Joseph! —
»Bist arg böse?« fragte er. — »Hast auf mich geschimpft?«
Sie hob den Kopf, um zu sprechen.
»Herr Gott noch mal,« murmelte er und preßte seine Lippen auf die ihren. — —
Von draußen pochte es an die Tür. Sie überhörten es. Dann pochte es lauter.
»Soll ich sie herausschmeißen, Maria?«
»Ach, du —!« verwies sie ihn.
»Na, ja. Ich hab’ sie mitgenommen. Könnt hereinkommen!« rief er und zog die Taschenuhr. »Eine halbe Stunde. Dann bitt’ ich mir Feierabend aus.«