Joseph Otten hatte die Gläser gefüllt. Er nahm sein Glas und hob es gegen Maria. Wortlos. Und trank es in durstigem Zuge aus. — Die Herren waren allein.
»Hochwürdiger Heinrich,« meinte Terbroich spitz, »du könntest deine Witze vor — nun, vor einer Dame doch wohl unterlassen.« Er hielt eine Gänseleberpastete dicht vor die Augen und nahm die Hälfte.
»Mein lieber Medardus,« erwiderte Koch milde, »du übersiehst, daß du selber den schlechtesten Witz machst.«
»Ich —? Wieso?«
»Allein dadurch, daß du hier bist.«
Terbroich wollte heftig entgegnen, bezwang sich aber und fand die Pastete großartig. »Ohne die Empfindungen des hochwürdigen Herrn Professors zu verletzen, bitte ich um ein Glas Rauentaler. Ah — — der hat Blume, der hat Bukett. Der ist würdig, auf Kölns siegreichen Sohn getrunken zu werden. Auf unsere heilige Jugendfreundschaft, die uns ewig treu bleiben soll, auf die Freude, ihn, unseren Besten, wieder unter uns zu haben und uns in seinem Ruhme zu sonnen: Prosit!«
»Mensch,« sagte Koch bewundernd, »das hast du heraus. Wenn deine Besuche doch auch so kurz wären wie deine Toaste.«
»Bin ich dir vielleicht schon einmal lästig gefallen?«
»Einmal? Nein, du Unschuld vom Lande. Zweimal warst du erst in Rom bei mir.«
»Ja,« lachte Otten, »anhänglich bist du. Ich kann in Paris singen oder in London, in Berlin, in Brüssel oder Mailand — ganz egal, wenn den Medardus eine Geschäftsreise hinführt, er logiert sich bei mir ein. ›Was willst du mit zwei Hotelzimmern?‹ sagt er dann, und sein Zug geht immer eine Stunde vor dem meinen.«