»Untertertianer,« sagte der andere und zuckte mit der Lippe.
»Judenjung.«
»Das ist keine Beleidigung.« Er wandte sich dem Mädchen zu, das erwartungsvoll hinhorchte. »Ich werd’ mir doch den schönen Abend nicht verprügeln.«
»O — —,« machte die Kleine verblüfft. »Ich hätt’ aber gern gesehen, wie der Laurenz mal Wichs’ gekriegt hätt’.« Und dann sprang sie mit der Raschheit der Kinderempfindungen auf ihr altes Thema: »Sieh mal, der Dom! Is es wirklich wahr, daß den ersten Baumeister der Teufel geholt hat?«
»Das ist eine Legende,« erklärte Moritz Lachner. »Weil der Bau nie fertig wurde, erzählten sich die Leute, Meister Gerhard von Ryle, der Bauherr, habe hoch oben auf dem Domkran mal mit dem Teufel gewettet, daß er schneller mit dem Dombau fertig sein würde, als der Teufel einen Kanal von Trier nach Köln graben könne. Meister Gerhard aber hätte durch die Schwatzhaftigkeit seiner Frau die Wette verloren und sich vom Turmgerüst in die Tiefe gestürzt. Das wäre der Grund gewesen, weshalb kein neuer Stein mehr hätte fassen wollen.«
»Weil die Wette sündhaft war,« triumphierte Laurenz Terbroich. »Alle Künstler sind Sünder.«
Moritz Lachner warf einen schnellen Blick auf die kleine Spielgefährtin, die gerade in die rotgewordenen Hände blies.
»Weiter, Moritz. Und der große Sankt Martin nebenan? Davor könnt’ ich mich fürchten.«
»Der ist so trotzig aufgebaut, weil er früher auf einer Insel stand und sich gegen das Wasser wehren mußte.«
»Waren wirklich keine Räuber drin?«