»Man sagt, schottische Mönche hätten die Kirche gleichzeitig als Wohnhaus für sich gebaut. Wie ein schottisch Kastell. Ob das wahr ist, muß ich erst noch untersuchen.«

Laurenz Terbroich klatschte sich vor Vergnügen auf die Schenkel. »Der Moritz. Der Moritz Lachner will es untersuchen! Morgen sag’ ich es dem Herrn Erzbischof!«

»Rechts vom Dom, da liegt Sankt Gereon. Schnell, Moritz, was weißt du davon?«

»Auf dem Platz, auf dem diese Kirche steht, wurde der Hauptmann Gereon mitsamt seiner thebaischen Legion niedergemetzelt, weil er und seine frommen Soldaten nicht vom Christenglauben lassen wollten.«

»Huih! — So düster sieht die Kirch’ auch grad’ aus.«

»Die Geschichte macht dem Lachner besonders viel Spaß,« behauptete der Untertertianer frech. »Eine ganze Legion Christen! Abgemurkst!«

»Wenn du von Sankt Martin nach links guckst, Terbroich,« sagte der und blies die schmalen Nasenflügel auf, »so siehst du den Rathausturm. Das ist der schönste Turm von Köln, ja der schönste von ganz Deutschland. Frag nur deinen Ordinarius. Und der ist euch Patriziern zu Ehren gebaut worden.«

»Du willst dich wohl wieder einschmeicheln?«

»Euch zu Ehren. Weil euch das Volk glücklich allzusammen festgenommen und ins Kittchen gesteckt hatte. Und von der Buße, die ihr habt zahlen müssen, errichteten die Zünfte diesen schönen Rathausturm.«

»I ja,« echote Terbroich, »und neben diesem schönen Rathaus liegt die Judengasse, und weil nun der Rathausturm gar so schön geworden war, wurde diese Nachbarschaft nicht mehr als passend befunden, und man fegte sie sauber und euch all zusammen zu den Toren hinaus, wo ihr bis zur französischen Revolution liegen bleiben konntet. I ja.«