»Du glaubst also nicht an mein Bleiben?«
»Nein, Joseph,« sagte sie und sah mit einem tapferen Lächeln in sein verfinstertes Gesicht. »Daß du jetzt, wo du müde bist, den ehrlichen Wunsch hast, daran glaube ich. Aber eines Tages — ja eines Tages würde ich dich selber fortschicken müssen, um dich — zu behalten.«
»So einer bin ich?« spottete Otten bitter.
»Gott sei Dank, so einer bist du, Joseph.«
»Und daß du mehr gibst als ich, das ist dir einerlei? Daß ich das Reisegeld, das du mir auf den Weg gibst, draußen vertue, verjubele — ach, ich darf gar nicht daran denken.«
»Komm nur oft heim. Damit du dich überzeugst, daß ich noch viel mehr Reisegeld habe.«
Joseph Otten bewegte sich nicht. Nur daß er den Kopf plötzlich fester in ihren Schoß drückte. »Heimkehr!« dachte er. »Das ist Heimkehr.« Und dann begann er seinen Gedanken Worte zu geben. »Ja, wahrhaftig, der Hafen. Solange das Schifflein munter auf den Wellen schwimmt, träumt man von der lachenden Ferne und winkenden Abenteuern. Vergessen, was dahinten ist; willkommen, was vorauf ist. Und das Schifflein treibt sich in allen Zonen, in allen Gewässern umher, immer lustig, immer im Segel jeden Wind, bis es eines Tages bemerkt, daß die Schnelligkeit nachläßt, und in einer windstillen Stunde konstatiert wird, daß auf den fröhlichen Fahrten in aller Herren Länder Schmarotzer sich an den Schiffsboden angesetzt haben, fressende Muscheln, saugender Tang, Schmutz und Getier jeder Gattung, das auf fremde Kosten lebt und das Schifflein langsam niederzieht. Hoho, sagt der Kapitän, wo ist der beste Hafen, wir müssen mal wieder ins Dock. Und auf einmal besinnt er sich auf die Heimat. Wenn sie zu sonst nichts taugt, zum Reparieren des alten Kastens, zum Putzen und Scheuern taugt sie am besten. Denn die Heimat ist wie eine Mutter, und Mütter haben den Sinn für Reinlichkeit. Hier bin ich, Maria.«
Sie strich durch sein Haar, hin und her. Er war bei ihr.
»Es wird grau, Maria.«
»Es ist so blond und eigensinnig wie bisher.«