»Nein, nein, die grauen mehren sich. In der letzten Zeit. Und das erinnert mich daran, daß ich müde bin.«
Sie hob seinen Kopf von ihrem Schoß. Wie ein Kind ließ es sich der große Mann gefallen. »Komm, Joseph.«
»Maria, daß ich die beiden mit ins Haus brachte! Von Heinrich Koch will ich schweigen, der tat’s aus Hilfsbereitschaft, weil ich den Terbroich nicht abschütteln konnte. Der hatte sich noch kurz vor der Hafeneinfahrt fest an den Schiffsboden gesaugt. Und daß ich dich vor dem Konzert nicht sah! Man ließ mich in Frankfurt nicht los, und mir machte das Festgehaltenwerden mal wieder Spaß. So sehr bin ich verwildert. Und dann freute es mich, daß du mich zuerst im Konzertsaal wiedersehen solltest. Das aber — das mußt du mir besonders verzeihen. Es war beschämend zu glauben, ich müßte dich neu erobern. Für dich beschämend.«
»Hast du die Kleine wiedererkannt, Joseph?«
»Carmen?« Er sprang auf. »Du! Du hattest sie mir geschickt?«
»Sie war ohne Erlaubnis hingelaufen. Ich war heute wohl zu sehr Frau und zu wenig Mutter. Da war sie unbeaufsichtigt.«
»Vorne in der ersten Reihe stand sie. Als ich vorbeilief — ich mußte mich sputen — war’s mir gerade, als hätt’ ich einen Sonnenstrahl verspürt. So warm flitzte mir etwas durchs Blut und zwang mich, mich noch einmal umzusehen. Da stand das Kind ...!«
»Wollen wir zu ihm?«
Er atmete tief. »Ja,« sagte er leise und lachte in sich hinein. »Es wird immer schöner.«
Behutsam gingen sie die Stiege hinauf. Frau Maria hatte die Lichter gelöscht und trug die Flurlampe. Er hatte den Arm um ihren Leib gelegt. Und so traten sie an das Bett des schlafenden Mädchens.