»Es ist fast ein Fräulein geworden,« sagte er nach einer Weile.
»Sie ist nicht leicht zu erziehen,« erwiderte sie, »aber es ist Blut in ihr.«
»Sonderbar, wie sie dir gleicht. Das Haar, die Züge. Das freut mich am meisten.«
»Sie ähnelt mir nur, wenn sie in Ruhe ist. Sobald sie lebhaft wird und erzählt, gleicht sie dir, daß es mich oft schon durchzuckt hat.«
»Vor Schreck?«
»Psst —! Sie bewegt sich. Das Licht blendet sie.« Und sie stellte die Lampe auf den Tisch und kehrte zurück. Rechts stand der Vater über das Bett des Kindes gebeugt, links die Mutter. Ihre Atemzüge wurden eins.
»Willst du sehen, wie lang der Schlingel geworden ist?« flüsterte Frau Maria.
Er nickte. Und sie schlug die Decke zurück. Die Kleine verschränkte die Hände hinter dem Kopf, bäumte sich ein wenig, suchte mit den Füßen und schlief weiter. Das Nachtkleid hatte sich zusammengerollt, und lang und schlank streckten sich die weißen Schenkel.
Joseph Otten bewegte die Lippen. »Gibt es etwas Rührenderes?«
»Ich will täglich beten, daß sie so rührend bleibt,« sagte Frau Maria leise.