Sie saß aufrecht neben ihm im Sofa. Die Hände in ihrem Schoß waren ruhiger geworden. Wortlos sah sie zu ihm hin. Aber dieser tränenschwere Frauenblick sagte: »Sieh, Joseph, ich bin immer stolz auf dich gewesen, wenn es zuweilen auch etwas in mir zu bekämpfen gab. Aber heute weiß ich, daß mein Stolz auf dich recht hatte. Das ist das Glück —«
»Du — weinst?«
Und sie konnte noch immer keine Worte finden.
Da kam ein Begreifen über den Mann. Ein Begreifen alles dessen, was die Liebe einer Frau zu verschenken vermag, und daß die größte Liebe ist, die unter stummen Schmerzen verschenkt und immer wieder verschenkt. »Ich habe noch nie an einer Frau den Madonnenschein gesehen,« sagte er leise und legte ihr die Hand aufs Haar. »Also den gibt es. Meine Frau hat ihn. Da darf ein Mensch wie ich getrost auf Vergangenheit und Zukunft blicken.«
»Joseph — —« erwiderte sie nur. Aber der Klang griff ihm ans Herz. Mit ganz zarten Händen streichelte er ihr Gesicht, zog es an sich heran und küßte ihr die Tränentropfen von den Wangen.
»Nun wollen wir sorgen, daß wir aus der Elegie wieder herauskommen. Mein Talent gravitiert mehr nach der anakreontischen Seite. Achtung: sind deine Papiere in Ordnung? Ja oder nein?«
»Ja.«
»Und dein Herz?«
»Auch.«
»Na, dann wickle mir mal beides in die Kölnische Zeitung, damit ich’s aufs Standesamt tragen kann. Wird der Beamte eine Freude haben! Ja, ja, die bürgerliche Moral — —!«