»Dat es ene bedenkliche Fall. Ich wörd’ doch ens der Doktor froge.«

»Grad’ donn ich der Herr Doktor froge.«

»Ach so,« lachte Otten, »un Ihr wollt et Rezept gleich sälwer in de Apothek trage?«

»Geweß dat, Herr Doktor. Un ene schöne Gruß vom Här Doktor, un et wörd’ nach Bedarf erneuert werde. Ich hann Se doch richtig verstande?«

Otten griff in die Tasche. »Hier, Klaus, als Anzahlung. Und nun gebt mal acht. Ich hab’ da einen Weg vor, und ich bin abergläubisch. Deshalb sollt Ihr den ganzen Morgen auf mein Wohl trinken. Und noch eins, im Vertrauen und Hand darauf: Wißt Ihr zufällig den nächsten Weg zum Standesamt?«

»Jupp,« sagte der alte Klaus ernsthaft, »ich gonn met. Du fändst dat allein in dingem Lewen nit.« —

Es war Mittag, als Joseph Otten von seinem Ausgang zurückkehrte. Er war heiter, aber still. Carmen blickte bei Tisch fragend vom Vater zur Mutter. Aber als sie die heiteren Mienen gewahrte, war sie zufrieden, daß sie allein das Wort führen durfte. Stolz berichtete sie von der Handarbeitsstunde, und daß die neue Lehrerin erzählt habe, daß sie gestern einen unvergeßlichen Abend im Konzert des Herrn Doktor Otten hätte verleben dürfen. Und es wäre eine »Offenbarung« gewesen — und dabei himmelte die Kleine zur Decke, wie die Lehrerin gehimmelt hätte — und dann hätte sie sie gefragt, ob sie verwandt mit dem Herrn Doktor Otten wäre. Und sie hätte geantwortet: verwandt nicht, aber er wär’ ihr Vater. Da wäre die Lehrerin mit so komisch gravitätischen Schritten auf sie zugekommen, daß alle Mädchen in der Klasse ins Taschentuch gebissen hätten vor Lachen, und hätte ihr die Hand auf den Kopf gelegt und dabei gesagt: O du gesegnetes Kind —! — Und die Kleine wollte sich aufs neue ausschütten vor Lachen.

»Ja,« sagte Frau Maria und strich dem wilden Kind die Locken aus dem Gesicht, »da hat die Lehrerin recht gehabt. Du mußt dich nur danach betragen.«

»Laß sie,« bat Otten, den ihr übermütiges Wesen heimlich belustigte, mit einem Augenwinken Frau Maria.

»Der Moritz Lachner kam an der Schule vorbei. Er fragte mich, ob ich heute nachmittag mit in den Dom ging’. Wenn der Nachmittagsunterricht vorüber ist.«