»Der Moritz? Wie kommt Saul unter die Propheten?«

»Er will Historiker werden,« sagte Frau Maria, »und er erzählt dem Kind Geschichten. Er ist sehr anhänglich an Carmen, obwohl er schon Sekundaner ist.«

»Er drängt sich auf,« bemerkte die Kleine wegwerfend.

»Carmen!«

»Ja, darf ich denn mit ihm gehen? Nachher soll ich mit zu ihm in den Laden. Eine ganze Sendung neuer Maskenkostüme sei eingetroffen.«

»Es scheint mir das ein ziemlich starker Gegensatz,« meinte Otten. »Aber da es zu Studienzwecken geschieht, darfst du mit. Die Kunst ist so ernst wie der Dom und so heiter wie eine Maskerade. Als Hauptsache aber: heute ist ein Feiertag.«

»Ein Feiertag?« zweifelte die Kleine.

»Ein ganz neuer: Maria und Joseph! — Sag’s keinem wieder.« — —

Carmen Otten war an diesem Nachmittag unaufmerksam in der Schule. Sie horchte verstohlen auf die Glockenschläge, die über die Dächer der Stadt hinhallten, und war die erste, die im Laufschritt die Schulpforte verließ. An der Ecke der Hohestraße traf sie auf Moritz Lachner. Ohne anzuhalten, machten sie sich auf den Weg, doch kaum, daß sie wenige Schritte getan hatten, wurden sie von Laurenz Terbroich angerufen.

»Wo wollt ihr hin?«