»In den Dom.«
»Der Moritz auch? Wenn der nur hereingelassen wird.«
»Geh mit,« sagte das Mädchen ängstlich, und er ließ sich bereit finden.
»In den Dom darf jeder, der sich anständig beträgt,« wies Moritz Lachner ihn finster zurück, »ich brauch’ dich nicht.«
»Ich geh’ in den Dom, meine Andacht verrichten. Du nicht.«
»Was weißt du von meiner Andacht?«
Aus der Hohestraße herrschte dichtes Gewühl. Aber es war ein gemütliches Tempo darin. Der Schwarm von Menschen, der sich auf dieser trotz ihrer Enge beliebtesten Verkehrsader Kölns dahinschob, war des Schauens wegen unterwegs, staute sich vor den glänzenden Auslagen und bog, ohne ärgerlich zu werden, anderen Trupps aus. Über den Straßendamm zog eine alte Frau einen Leierkasten. Ein Invalide schritt nebenher, drehte den Schwengel und entlockte dem Instrument das schöne Lied »Ich weiß nicht, was soll es bedeuten ...« Die Leute auf den Trottoirs pfiffen es mit. Eine Kleinstadtidylle im stärksten Verkehr der Großstadt.
Moritz Lachner zog das Mädchen, das neben der Orgel herlaufen wollte, eilig mit. »Das schickt sich nicht für dich, Carmen. Weil dein Papa eine so bekannte Persönlichkeit ist.« Über den Wallrafsplatz gelangten sie zum Dom. Sie staunten, wie sie es immer taten, zu der schwindelnden Höhe hinauf.
»Das sind Stein gewordene Gedanken,« sagte Moritz Lachner.
»Das sind Pfeilerbündel,« erklärte Laurenz Terbroich.